Der Staat nennt es Resozialisierung. Es ist Auslöschung mit Behördenstempel.
In diesem Land verschwinden Menschen nicht mehr. Man ersetzt sie.
Deutschland, nahe Zukunft. Wer verurteilt wird und eine gute Prognose hat, wandert nicht mehr ins Gefängnis. Er bekommt AEGIS – ein neuronales Implantat, das gewalttätige Impulse im Moment ihres Entstehens löscht. Über zweitausend Straftäter leben so mitten unter uns: überwacht, aber frei. Die Rückfallquote liegt bei unter drei Prozent. Ein Wunder, sagt der Staat.
Bewährungshelferin Mira Albrecht hat an dieses Wunder geglaubt. Bis Kilian Brenner, ihr ruhigster Klient, nach einem harmlosen Vorfall binnen achtundvierzig Stunden spurlos verschwindet. Offiziell verlegt in ein „spezialisiertes Nachsorgeprogramm“. Keine Akte. Keine Adresse. Keine Nummer, unter der man ihn erreichen kann.
Nur eine Unterschrift auf dem Verlegungsformular. Eine Unterschrift, die nicht seine ist.
Je tiefer Mira gräbt, desto klarer wird: Neben dem System, an das sie geglaubt hat, existiert ein zweites. Eines, das auffällige Träger nicht bestraft, sondern auslöscht und durch eine neu geschriebene, gehorsame Version ihrer selbst ersetzt. Eine, die lächelt, sich erinnert und für eine zweite Chance dankbar ist, die es nie gegeben hat.
Der Staat nennt es Resozialisierung.
Und Mira erkennt zu spät, dass die Spur nicht bei Kilian beginnt, sondern in ihrer eigenen Familie.
AEGIS ist ein Near-Future-Thriller über Kontrolle, Schuld und die leiseste Form von Gewalt: die, die aussieht wie Fürsorge.